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Das Projekt "Interdisziplinäre Diagnose und Individuelles Programm zur Entwicklung der Fähigkeitspotentiale von Menschen mit geistiger Behinderung" - ist ein Modellvorhaben des Deutsch-Israelischen Vereins für Rehabilitation und soziale Eingliederung Gießen e.V., das vom 1.Oktober 2002 bis 30.September 2005 von der Projektgruppe InDiPro durchgeführt wurde.

Vorbild für das Projekt ist das in Israel seit 1969 praktizierte Interdisziplinäre Diagnoseverfahren und die darauf aufbauenden, individuell angepassten Bildungsprogramme für Menschen mit geistiger Behinderung.

Übergeordnetes Ziel des Projektes war die gezielte, aktive Unterstützung der Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe der ProjektteilnehmerInnen an der Gemeinschaft. Die zentralen Leitgedanken des Projektes waren Teilnehmerzentriertheit, Interdisziplinarität und prozessorientiertes Handeln. Das heißt, dass im Mittelpunkt des Projektes stets die TeilnehmerInnen mit ihren Wünschen, Zielen und Bedürfnissen standen.

Insgesamt nahmen 70 Menschen mit geistiger Behinderung bzw. Lernbehinderung im Alter von 15 bis 37 Jahren teil, die in der mittelhessischen Region um Gießen, Marburg, Wetzlar und Dillenburg leben und arbeiten.

Finanziert wurde das Modellvorhaben vom "Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung".

Vorgehensweise

Das Projekt gliederte sich in zwei unterschiedliche Phasen:

  1. In der ersten Projektphase fand eine differenzierte Interdisziplinäre Diagnostik statt, in die das gesamte Umfeld der Teilnehmerin mit einbezogen wurde.

Das diagnostische Team setzte sich aus drei Pädagoginnen, einer Psychologin und einem Mediziner zusammen. Aufgabe war es, mit Hilfe von Interviews, unterschiedlichen Test- und Erhebungsverfahren sowie einer medizinischen Untersuchung ein möglichst umfassendes Bild von den Teilnehmerinnen, ihrer gegenwärtigen Lebenssituation und von ihren Kompetenzen in verschiedenen Lebensbereichen zu gewinnen. Darüber hinaus sollten auch die körperliche Befindlichkeit, emotionale Aspekte und behindernde Kontextfaktoren eingeschätzt werden.

Gemeinsam wurde nach den Wünschen, Bedürfnissen und Zielen sowie den Möglichkeiten nach mehr Selbstbestimmung und Teilhabe der TeilnehmerInnen an der Gemeinschaft gefragt.

Wichtiger Bestandteil der Diagnostik war das Gespräch mit den TeilnehmerInnen sowie mit Personen, die sie gut kennen: Eltern, gesetzliche BetreuerInnen, MitarbeiterInnen in Wohn- und Werkstätten, LehrerInnen sowie ggf. involvierte TherapeutInnen.

Aus den Ergebnissen der Diagnostischen Phase wurden u. a. Empfehlungen formuliert, in welchen Lebensbereichen die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung durch ein Individuelles Programm gestärkt werden konnte. Im Mittelpunkt standen dabei die Vorstellungen und Ziele der TeilnehmerInnen.

  1. In der zweiten Projektphase wurden in Abstimmung mit allen Beteiligten die Inhalte für das Individuelle Programm entwickelt.

Gemäß der Grundidee des Projektes, äußerten die TeilnehmerInnen ihre Interessen und Vorlieben für ein bestimmtes Bildungsthema und erklärten, in welchen Lebensbereichen sie das Bedürfnis nach mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmung hatten. Dabei wurde die Motivation für und das Interesse der TeilnehmerInnen an einem bestimmten Bildungsthema maßgeblich für den Erfolg innerhalb des Individuellen Programms und seine Zufriedenheit mit ihm gewertet. Konkret umfassten diese Bedürfnisse und Ziele die gesamte Skala von alltagsrelevanten Handlungen wie "selbstständig essen" oder "telefonieren" bis zur Erweiterung der kognitiven Fähigkeiten und des individuellen Erfahrungshorizontes.

Die Individuellen Programme wurden vorwiegend von Studierenden der Heil- und Sonderpädagogik und anderen pädagogisch erfahrenen Kräften unter Supervision des InDiPro-Teams gestaltet. In der Regel fanden sie in Einzelsituationen zwei Stunden pro Woche im Umfeld der jeweiligen TeilnehmerIn statt und waren ausschließlich an deren Bedürfnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten orientiert.

Begleitet wurde das Individuelle Programm durch regelmäßige Evaluationsgespräche mit allen Beteiligten. Hauptziele hierbei waren der Austausch und die Reflexion des Individuellen Programms, der Abgleich neu entstandener Themen sowie bei Bedarf die Änderung der Programminhalte oder -methode.

Über einen Zeitraum von drei Jahren dienten die Individuellen Programme der Befähigung der TeilnehmerInnen, ihre Wünsche und Bedürfnisse nach mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmung umsetzen zu können bzw. ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten schrittweise näher zu kommen.

Koordination
Maren Müller-Erichsen (1.Vorsitzende des Deutsch-Israelischen Vereins e.V.), Dr.Isack Kandel (Generaldirektor des Deutsch-Israelischen Vereins e.V.)

Unsere Ansprechpartnerinnen und Supervisorinnen in Israel aus dem Arbeits- und Sozialministerium
Ahuva Levy, Dr. Haya Aminadaw, Dr. Ruth Raif

Wissenschaftliche Beratung
Dr.Monika Lang (Universität Marburg); Prof.Dr.Gerhard Neuhäuser (Linden)

Wissenschaftliche Begleitung
Dr.Bettina Nickel (Institut für empirische und angewandte Sozialforschung der Universität Gießen)

Projektleitung und ProjektmitarbeiterInnen
Dipl. Päd. Regina Eccher, Dipl. Psych. Andrea Pahlich, Dipl. Päd. Thomas Bauer, Dipl. Päd. Kathrin Gattermann, Miriam Lorey, Daniela Siebe, Ingo Bastian, Jennifer Braun, Sandra Budde, Birgitt Damaschke-Gallen, Elisabeth Derucki, Janine Doll, Ines Frank, Marie Franz, Rey Galang, Marion Heiser, Sarah Hofmann, Hans Peter Hulliger, Uschi Jonson, Kirsten Kullmann, Gerd Kussminder, Susan Melzer, Matthias Meppelink, Dörte Meyschein, Simone Niklosz, Tanja Obst, Saskia Opderbeck, Katja Pacella-Frei, Richard Reinemann, Gerlinde Richter-Heller, Kathrin Rühl, Mirjam Sautter, Nina Schäfer, Christina Schäfer, Tanja Schulzke, Manuell Stoll, Jessica Vogel, Andrea Wortmann, Liisa Wurst, Barbara Zlof.

Wenn Sie mehr über unser Projekt erfahren möchten, haben Sie hier die Möglichkeit unseren Projekt-Forschungsbericht als pdf-Datei herunter zu laden.

Eine Print-Version des Berichtes können Sie für einen Unkostenbeitrag von 10,- €uro unter der ISBN-Nummer 3-935 242-07-7 beim Deutsch-Israelischen Verein für Rehabilitation Gießen e.V. oder direkt bei Indipro bestellen.